Alle zwei Jahre schreibt der Badische Sportbund Nord den Vereinswettbewerb „Talentförderung im Sport“ aus: Der Breiten- und Freizeitsport lebt auch vom Leistungssport. So wirken Spitzenathlet*innen als Vorbilder, denen junge Sportler*innen nacheifern, auch wenn sie selbst keine hochgesteckten Ambitionen haben.
Wir würdigen mit dem Wettbewerb eine Mammutaufgabe für die Beteiligten, die Talente sichten, intensiv mit ihnen trainieren, bei Wettkämpfen begleiten und sie über den Leistungssport hinaus fördern. Das bedeutet hohe Anforderungen an die Mitarbeitenden in den Vereinen und eine oft aufwändige Finanzierung der Arbeit.
Ausgezeichnet werden Vereine, die junge Menschen mit durchdachten und nachhaltigen Konzepten zum Leistungssport führen.
Ziel dieses Wettbewerbs ist es, Vereine auszuzeichnen, die eine leistungssportliche Ausrichtung haben, jedoch nicht in Verbindung zu einem Bundesstützpunkt stehen oder bereits im Hochleistungssport auf nationaler oder internationaler Ebene höchst erfolgreich agieren. Der BSB Nord möchte in diesem Profil Vereine zur Teilnahme ermutigen, die sportliche Erfolge auf Landesebene verzeichnen und sich durch weitere Merkmale hervorheben. Dies können die Arbeit mit einer aktuell besonders förderwürdigen Zielgruppe, ein innovatives (Teil-) Konzept, die erfolgreiche Ausübung einer Trendsportart ohne klassisches Wettkampfsystem oder besondere regionale Aspekte sein.
Auf dem Ehrungsabend am 01. Juni in Pforzheim wurden folgende Gewinner ausgezeichnet:
| Verein | Personen |
| LG Region Karlsruhe | Angelika Solibieda & Sofia Gausmann |
| 1. ASV Germania Bruchsal | Maximilian Heneka & Andreas Stricker |
| SpVgg 1910 Durlach-Aue | Andreas Reichel & Frank Cramer |
| Karlsruher Schachfreunde | Andreas Vinke & Kristin Wodzinski |
1. LG Region Karlsruhe
Der Verein, der durch Angelika Solibieda und Sofia Gausmann vertreten wird, ist ein Zusammenschluss von elf Leichtathletik-Vereinen im Raum Karlsruhe und hat 289 Mitglieder, darunter 156 Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, die Jugendarbeit gemeinsam voranzutreiben und Athleten wie Trainer so zu fördern, dass sie den Mitgliedern Spaß an der Leichtathletik vermitteln und sie zu Erfolgen führen können. Der Verein hat keine eigene Infrastruktur, keine Profitrainer und noch keinen Kontakt zum nordbadischen Olympiastützpunkt. Es gibt aber Kooperationen mit Schulen (Otto-Hahn-Gymnasium als Förderschule des Leistungsports), gemeinsam mit den Schulen wird im Winter ein Hallensportmeeting zur Talentsuche organisiert. Innovativ ist auch das Kindersportfest „Die Fantastischen Zehn“ mit zehn spielerischen Disziplinen. Super ist es, dass sich 65 Trainerinnen und Trainer in der Jugendarbeit engagieren.
Es wurden große Erfolge verzeichnet: 2021 errang der Verein Platz 5 in der deutschen Vereinsbestenliste, 2022 wurden schon 188 Platzierungen in der DLV-Bestenliste notiert, obwohl die Saison erst begonnen hat. Mikaelle Assani holte Bronze im Weitsprung bei der U20-EM in Tallinn und ist deutsche Meisterin. Heiko Gussmann ist Dritter der deutschen U18-Meisterschaft über 100 m. Vier weitere Athletinnen und Athleten haben bei der U20-EM, der Hallen-EM und der Cross-EM Finalplätze belegt.
1. ASV Germania Bruchsal
Unter seinen 170 Mitgliedern hat der Ringer-Verein 70 Kinder und Jugendliche und vor einigen Jahren festgestellt, dass Mädchen und Frauen in den deutschen Ringkampfklubs unterrepräsentiert sind. Deshalb widmet sich der ASV neben der Ausbildung der Jungen durch die Trainer Carsten Spänle, Alexandru Chirtoaca, Andreas Stricker und Volker Widmann seit einigen Jahren intensiv der Mädchenförderung – mit dem erfreulichen Resultat, dass Mareike Stricker im Jahr 2019 und Josefine Widmann 2021 deutsche Meisterschaften erringen konnten. Damit die Mädchen ihren Sport unbeschwert betreiben können, wurden neue Umkleidekabinen mit Duschen für sie alleine geschaffen. Der Verein kooperiert mit Schulen und schickt seine Talente in das Stützpunkttraining des Nordbadischen Ringer-Verbandes im Olympiastützpunkt in Heidelberg, zur Sportschule Schöneck und in das Ringer-Zentrum Graben-Neudorf. Zeltlager und Grillfeste fördern die Kameradschaft zwischen den Jungen und Mädchen, denen der ASV bei der Suche nach Ausbildungsplätzen behilflich ist. 2021 wurden vier Top-8-Plätze bei deutschen Meisterschaften errungen, Maxim Fricatel wurde rumänischer Meister. 2020 stellte der ASV fünf Landesmeister. Heute wird der Verein durch Maximilian Heneka und den Trainer Andreas Stricker vertreten.
SpVgg Durlach-Aue
Dieser Verein, vertreten durch Andreas Reichel aus der Vereinsführung und dem Abteilungsleiter Frank Cramer, hat 1280 Mitglieder, darunter 447 Kinder und Jugendliche. Der Padel-Abteilung gehören 130 Mitglieder an, und dass die SpVgg die Sportart Padel betreibt, hat die Jury als Innovation gewürdigt. Padel ist die südamerikanische und in Spanien sehr populäre Spielart des Tennis. Die SpVgg arbeitet mit spanischen Vereinen und zwei spanischen Trainern zusammen, kooperiert mit Schulen und ist Jugendstützpunkt des Deutschen Padel-Verbandes. Im Rahmen des Trainingsbetriebes macht der Verein ein Angebot für Jugendliche aus der Ukraine, hat drei Trainer und vier weitere Trainer in der Ausbildung und kann sich über gute Erfolge freuen: Die U14-Jugendlichen Paul Richter, Tom Kies und Leon Schmid belegen die Plätze 1, 2 und 4 in der deutschen Rangliste. Sieben U18-Spieler sind unter den deutschen Top-11, das Jugendteam spielt in der Bundesliga, und die Herren sind 2021 in die baden-württembergische Oberliga aufgestiegen. Obwohl Karlsruhe eine Padel-Hochburg ist, steht dem Verein gegenwärtig nur ein Hallenplatz zur Verfügung.
Karlsruher Schachfreunde
Der Verein, vertreten durch Kristin Wodzinski und Andreas Vinke aus der Vorstandsmannschaft, hat 197 Mitglieder, darunter 94 Kinder und Jugendliche, von denen 20 an der deutschen Jugend-Einzelmeisterschaft teilgenommen haben. Bei der deutschen Vereinsmeisterschaft gab es 14 Teilnahmen, zwei Medaillen und einen Meistertitel. Bei badischen Titelkämpfen im Einzel und mit der Mannschaft konnten 46 Medaillen eingesammelt werden. Der Verein und seine 10 Trainerinnen und Trainer bieten 18 Trainingsgruppen, aber auch Sondertraining und Kleingruppentraining an, verwendet also viel Sorgfalt auf die individuelle Athletenförderung in der Gruppe. Es bestehen Kooperationen mit Kindergärten und Schulen und eine U10-Leistungsgruppe. Die Schachfreunde organisieren Jugendfreizeiten und Sommerfeste und sind in pandemischen Zeiten besonders innovativ durch die Durchführung von Online-Schach, Online-Training und einer Quarantäne-Liga. 30 Prozent der Mitglieder haben einen Migrationshintergrund, doch Sprachbarrieren bestehen keine, denn beim Schach wird geschwitzt, aber nicht geredet.
Laudation von Claus-Peter Bach, BSB-Vizepräsident für Leistungssport











