BSB NORD | KIRCHE UND SPORT Kolumne Querpass – Foco sempre – Treue zum eigenen Weg Eine gute Freundin von mir lebt in Brasilien. Sie trainiert Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ), läuft Wettkämpfe, arbeitet, studiert – und hat mir zwei Worte mitge- geben, die geblieben sind: „Foco sempre“ (Fokus immer). Egal, wie der Tag ist. Egal, wie du dich fühlst. Bleib ausgerichtet auf das, was dir wichtig ist. Und wenn du zweifelst: „Vamos, vamos“ (los geht‘s) – geh weiter. Im Training hat sie gelernt, was auch im Leben trägt: Regeln helfen, voranzukommen. Technik wächst durch Wiederholung. Demut und Stärke gehören zusammen. Wer im Jiu-Jitsu den nächsten Gürtel erreichen will, braucht Disziplin – nicht nur Motiva - tion. Denn Motivation kommt und geht. Disziplin bleibt. Gerade an schweren Tagen. Training ist kein Zusatz, sondern Lebenselixier. Ich habe das neu verstanden. In wenigen Monaten habe ich viel Gewicht verloren, dann kam ein Mo- ment des Stockens. In Brasilien habe ich diesen Satz wieder gehört – und neu gelernt: Fokus ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung. Plane deinen Tag. Setze Prioritäten. Vielleicht sind es nur drei oder vier Dinge, die wirklich zählen. Bleib bei ihnen. Alles andere wird Nebenfaktor. Auch der Glaube kennt diese Bewegung. Der Apos- tel Paulus schreibt: „Ich laufe nicht wie aufs Unge - wisse“ (1. Korinther 9,26). Und: „Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist“ (Hebräer 12,1). Dranbleiben, auch wenn es schwer wird. Vertrauen, auch wenn Ergebnisse ausbleiben. Wer glaubt, trainiert – oft leise, oft unsichtbar, aber wirksam. Und wir wissen, wie schwer das sein kann. Wie schnell Zweifel kommen. Wie gut es dann tut, wenn jemand da ist, der Mut macht, der Kraft gibt, der sagt: Bleib dran. Im Glauben ist das mehr als ein Gedanke. Gott selbst traut uns diesen Weg zu. Er ruft uns nicht zur Perfektion, sondern zur Treue. Er weiß um unsere Grenzen – und spricht uns doch zu: Bleib fokussiert. Geh weiter. Schritt für Schritt. Nicht alles auf einmal. Aber mit einem Ziel vor Augen. Der Blick über Grenzen zeigt: Ob in Deutschland oder Brasilien – der Tag hat 24 Stunden. Doch Hal- tung macht den Unterschied. Viele beginnen. Wenige bleiben dran. Fokus ist selten geworden. Vielleicht, weil wir zu viel gleichzeitig wollen. Vielleicht, weil wir vergessen haben, was uns wirklich trägt. Foco sempre heißt: entscheiden, was zählt – und dabeibleiben. Im Sport wie im Glauben. Wer dran- bleibt, wächst. Nicht immer schnell. Aber echt. Fazit: Fokus ist Treue zum eigenen Weg. Oder, wie meine Freundin sagen würde: „Foco sempre – und geh weiter.“ Hendrik Lohse, Landesarbeitskreis Kirche und Sport Anerkennung der Präventionsarbeit: Sport und Kirche schließen Kooperation Sportpräsidenten, Landesbischöfin und Bischöfe unterzeichnen Kooperationsvereinbarung bei Präventionsmaßnahmen Der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) und die drei Sportbünde in Baden-Würt- temberg sowie die beiden großen Kirchen im Land haben die wechselseitige Anerkennung von Schu- lungen zur Prävention sexualisierter/interpersonel- ler Gewalt vereinbart. Die beim 3. Spitzentreffen am vergangenen Donnerstag in Stuttgart unterzeich- nete Kooperationsvereinbarung setzt beim vorbeu- genden Vorgehen von Kirche und Sport auf ge- meinsam festgelegte Standards und entlastet die Ehrenamtlichen, die oft sowohl im Sport als auch in der Kirche engagiert sind: Sie benötigen künftig nur noch eine Schulung. Die Vereinbarung hält in einer Checkliste die Min- destanforderungen für die wechselseitige Aner- kennung von Präventionsschulungen fest. Zu den verpflichtenden Inhalten der Schulungen zählen ne- ben Sachinformationen zu Formen und Ausmaß von sexualisierter Gewalt sowie über Täterstrategien und Risikofaktoren insbesondere Verhaltensregeln und eine „Sensibilisierung für eine Kultur des Mit- einanders“ mit Übungen zu Nähe/Distanz. Außer- dem müssen die Schulungen über Handlungsmög- lichkeiten bei Vermutungen sowie Hilfs- und Unter- stützungsmöglichkeiten informieren. Die Vertrags- partner können für ihren Regelungsbereich über den Mindeststandard hinaus weitergehende Anforde- rungen an ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbei- tenden stellen. Vertragspartner sind auf Seiten des Sports der Lan- dessportverband Baden-Württemberg (LSVBW), der Badische Sportbund Freiburg (BSB Freiburg), der Badische Sportbund Nord (BSB Nord) und der Württembergische Landessportbund (WLSB); auf Seiten der Kirchen sind dies die Evangelische Lan- deskirche in Baden, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, die Erzdiözese Freiburg und die Di- özese Rottenburg-Stuttgart. Stärkung des Ehrenamts, Abbau von Bürokratie „Menschen vor Grenzverletzungen und sexualisier- ter Gewalt zu schützen, geht uns alle an. Mit den Präventionsschulungen, die Engagierte in den Kir- chen und im Sport absolvieren müssen, wird die Grundlage dafür geschaffen, dass mehr hingeschaut und weniger weggesehen wird“, sagte die badische Landesbischöfin Prof. Dr. Heike Springhart. „Wir übernehmen gemeinsam Verantwortung, dass Men- schen in den Kirchen und im Sport vor Übergriffen geschützt sind. Die Vereinbarung, dass die Prä- ventionsschulungen wechselseitig anerkannt wer- den, ist ein wichtiges Zeichen für diese gemeinsa- me Verantwortung und es nimmt das große Enga - gement von Ehrenamtlichen ernst.“ Nach den Worten von LSVBW-Präsident Jürgen Scholz gehen die Landeskirchen und die katholi- sche Kirche in Baden und Württemberg zusammen 26