48 Jahre Ehrenamt im Sport!

Herr Denecken, im September 2018 sind Sie vorzeitig aus dem BSB-Präsidium ausgeschieden, um einer Jüngeren Platz zu machen. Wie schwer ist Ihnen der Abschied gefallen?
Da die Nachfolge ganz nach meinem Wunsch geregelt wurde – eine Frau und deutlich jünger – hatte ich keine Probleme, den Platz vor Ablauf der Wahlperiode zu räumen. Die Arbeit im Sport hat mir immer viel Spaß bereitet und im Rückblick kann ich sagen, dass der Sport meine persönlichen, beruflichen und politischen Tätigkeiten wesentlich mitbestimmt hat.

Seit 48 Jahren sind Sie nun ehrenamtlich im Sport tätig. Schildern Sie doch mal kurz, wie alles angefangen hat.
Es begann bereits mit 16 Jahren als Jugendwart im Karlsruhe Turnverein, wo es damals – heute fast undenkbar – noch mehrere Kandidaten für das Amt eines Jugendwartes in einem Turnverein gab. Ab 1970 war ich dann Mitglied in den Fachausschüssen Sport und Politik, Jugendleiter-Ausbildung und Freizeit und Bildung, wobei einige ältere Sportfunktionäre etwas irritiert waren über den frischen Wind, der durch einen aktiven 68er in die Gremien des Sports einzog. Zutiefst politisch beeindruckt war ich von den Studienreisen der BSJ nach Polen mit dem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Die Eindrücke damals haben auch meine späteren politische Tätigkeiten maßgeblich beeinflusst.

Welche diese Tätigkeiten waren denn in dieser Hinsicht die wichtigsten?
Ein sehr prägender Einschnitt war meine Tätigkeit (ab 1976) als Regierungsberater für den Schulsport in Peru. Dort konnte ich die Inhalte, die ich in zahlreichen Übungsleiterkursen an der Sportschule Schöneck praktiziert habe, in vielen Praxisseminaren an fast 5.000 Sportlehrerinnen und Sportlehrer weitervermitteln. Was bestehen bleibt, ist der Bau zahlreicher Sportanlagen in den Armensiedlungen der großen Städte Perus. Nach meiner Rückkehr mit der gesamten Familie einige Jahre später nach Karlsruhe bin ich gleich wieder sowohl im organisierten Sport als auch in der Kommunalpolitik tätig geworden.

Welche Funktionen und Tätigkeiten waren für Sie denn die wichtigsten?
In Stichworten: Vorsitzender der Badischen Sportjugend, Schatzmeister und später Vorsitzender des Landesjugendrings (für die BWSJ) und seit 2001 Vizepräsident beim Badischen Sportbund. Im Zusammenhang mit meiner ehrenamtlichen Arbeit im Sport habe ich in dieser Zeit eine stattliche Anzahl von Kultusministern, Staatssekretären und auch LSV-Präsidenten erlebt und „überlebt“.

Welche Ereignisse und Personen sind Ihnen den am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?
Bei den Ereignissen waren das immer wieder die Bemühungen von „Stuttgarter Staatssekretären“, die drei regionalen Sportbünde zu einem einheitlichen Landessportbund zusammen zu führen – das ging ja über Jahre! Nie vergessen werde ich in diesem Zusammenhang die Solidarität unter den badischen Fachverbänden und Sportkreisen, diesem Ansinnen gemeinsam zu widerstehen. Denn die Regionalität ist letztendlich eine große Stärke in einem Flächenland wie Baden-Württemberg. Von den führenden Personen bleibt mir Gerhard Mayer-Vorfelder in Erinnerung, der trotz unterschiedlicher politischer Einstellung im Bereich Jugend- und Sportpolitik immer ein fairer Partner war. Im LSV war für mich Anton Häffner ein großes Vorbild, und zwar hinsichtlich seiner Fairness und seiner Konsequenz, wie er den Stellenwert des Sports in unserem Land gegenüber der Politik hartnäckig vertreten hat.

Parallel zu Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit waren Sie als Bürgermeister ja auch beruflich u.a. für den Sport zuständig. Waren denn diese beiden Funktionen miteinander vereinbar?
Ja, und zwar optimal! Denn die Menschen treiben ja Sport in der Kommune, sei es im Verein oder in einer anderen Einrichtung. Hier konnte ich als Bürgermeister für die Bürgerinnen und Bürger in Karlsruhe und als BSB-Vizepräsident für die Menschen in ganz Nordbaden aktiv sein. Am produktivsten war im BSB-Präsidium die gemeinsame Zeit mit Heinz Janalik, mit dem ich mich immer bestens verstanden habe – auch weil wir sportpolitisch auf einer Linie lagen.

Gibt es noch ehrenamtliche Tätigkeiten im Sport, die Sie weiterhin ausüben?
Seit drei Jahren bin ich Präsident von Special Olympics Baden-Württemberg (Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung), eine Arbeit, die mir sehr viel Freude bereitet, denn von den Menschen, die hier Sport treiben kommt unglaublich viel Begeisterung zurück. Mein größter Wunsch für Special Olympics ist, diesen Verband als „normalen“ Verband in Baden-Württemberg anerkannt zu sehen.

Herr Denecken, Sport in BW dankt Ihnen für das Interview und wünscht Ihnen eine gute Gesundheit sowie alles Gute auch außerhalb des BSB-Präsidiums.


Das Gespräch führte Bernhard Hirsch.