Startschuss für das Projekt E-Learning!

Informationen über das Internet abrufen, in Chats oder Foren über ein Thema diskutieren, eigene Beiträge über soziale Medien teilen, Kenntnisse über Video Tutorials erwerben – informieren, kommunizieren und publizieren: unsere digitale Welt bietet heute vielfältige Möglichkeiten, sich zu bilden, auszutauschen und zu lernen. Um in seinen Ausbildungen einerseits die Chancen, die diese Entwicklung mit sich bringt, zu nutzen und anderer - seits auch den sich verändernden Bedürfnissen und Ansprüchen unserer Ehrenamtlichen gerecht zu werden hat der Badische Sportbund das Projekt „E-Learning – digitale Entwicklung in der Bildung“ ins Leben gerufen. Über die Ziele des Projekts und die Ideen zur Umsetzung sprach Sport in BW mit dem für Bildung zuständigen Vize-Präsidenten Gerhard Schäfer und mit Fiona Eckert, der Leiterin des Geschäftsbereichs Bildung und Qualifizierung.

Herr Schäfer, seit wann beschäftigt sich der BSB mit diesem Thema und wie ist es zu diesem Projekt gekommen?
Bereits bei der Klausurtagung des BSB-Präsidiums im letzten Jahr haben wir uns ausführlich mit der Weiterentwicklung der Ausbildung von lizenzierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern beschäftigt. Frau Eckert hat uns damals die unterschiedlichen Elemente des E-Learnings vorgestellt und im Präsidium herrschte schnell Konsens, die Lehre in diesem Bereich weiter zu entwickeln. Nach Erstellung einer Projektskizze und Prüfung der für die Umsetzung notwendigen Ressourcen kamen wir in einer der nächsten Sitzungen überein, hierfür eine neue Stelle zu schaffen. Die Geschäftsführung hat das zügig umgesetzt, so dass sich ab 1. September mit Daniel Kraft ein neuer Mitarbeiter beim BSB um diesen Bereich kümmern wird.

Frau Eckert, welches sind die Ziele des Projekts und wie soll es umgesetzt werden?
Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, die digitalen Möglichkeiten für die Ausbildung in der Sportpraxis und im Bereich der Qualifizierung der Führungskräfte zu sichten, zu bewerten und sie in geeignetem und qualitativ gewinnbringendem Rahmen in die Ausbildungen zu integrieren. Für die Umsetzung gibt es verschiedene Ideen, die sich in erster Linie nach den Bedürfnissen unserer Teilnehmer richten sollten. Hier werden wir einiges ausprobieren und uns sicher auch immer wieder anpassen müssen. Bevor wir uns jedoch damit beschäftigen, welche technischen Umsetzungsvarianten es gibt, muss zunächst die Frage nach dem Inhalt gestellt werden. WAS will ich meinen Teilnehmern beibringen? Stehen die Inhalte fest, eröffnet sich die didaktisch-methodische Frage: WIE kann ich die jeweiligen Inhalte am besten vermitteln? Erst zuletzt kommt dann die Frage nach der adä - quaten Technik: WO, in welchem Medium (digitale Bibliothek, Online Campus, Sporthalle, realer Seminarraum etc.) kann ich diese Methoden am besten umsetzten? Um einen echten Mehrwert durch die digitalen Möglichkeiten zu erreichen, müssen besonders die ersten zwei Fragen (Was und Wie?) mit viel Sorgfalt bearbeitet werden.

Beginnen wir mit dem WAS. Herr Schäfer, was brauchen denn Trainer, Übungsleiter und Vereinsführungskräfte von heute?
Der grundsätzliche Zugang zu Wissen und somit auch die Möglichkeiten unserer Teilnehmer, sich mit Informationen zu versorgen, verändert auch das traditionelle „Wissensmonopol“ der Lehrenden. Egal ob Basiswissen über steuerrechtliche Grundlagen für Vereine, die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems oder die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Faszienforschung – für interessierte Teilnehmer sind Informationen frei und in Sekundenschnelle über das World Wide Web abrufbar. Informationen zu haben heißt allerdings nicht automatisch, sie auch bewerten zu können, sie in einen Kontext bringen oder auch Handlungen daraus ableiten zu können. Der Fokus der Lehrenden von heute liegt daher nicht allein auf der Versorgung mit Wissen, sondern besteht hauptsächlich in der Vermittlung der Fähigkeit, dieses Wissen kontextgerecht zu bewerten, mit der eigenen Vereinstätigkeit zu verknüpfen und situativ adäquat anzuwenden. Zudem hat die sportwissenschaftliche, sportmedizinische und trainingswissenschaftliche Forschung in den letzten 20 Jahren erheblich an Geschwindigkeit zugelegt. Neben neuen (sport-) medizinischen Erkenntnissen wurden auch im Trainingsbereich neue Methoden entwickelt und die Ausdifferenzierung von spezifischen Trainingsformen für einzelne Sportarten nimmt immer weiter zu. Durch diese Entwick - lungen hat sich auch der mögliche Lehrumfang stark vergrößert und muss je nach fachlichen Bedürfnissen der Ausbildung adäquat zusammengestellt werden. Die Herausforderung besteht nunmehr darin, aus der Masse diejenigen Lehrinhalte auszuwählen, durch die unsere Teilnehmer ihre zukünftige Aufgabe als Trainer oder Vereinsführungskraft am kompetentesten ausüben können.

Frau Eckert, Sie haben an der Sportschule täglich mit Übungsleitern und Trainern zu tun. Wie sind die o.g. Inhalte am anschaulichsten zu vermitteln und welche Möglichkeiten haben Sie, auf unterschiedliche Voraussetzungen ihrer Teilnehmer zu reagieren?
Trainerauftreten, Kommunikation mit Vereinsvertretern oder der Mannschaft, in verschiedenen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen, Aufgaben an meine Zielgruppe spezifisch anzupassen, individuell zu korrigieren und zu fördern – all diese Dinge lernt man nicht dadurch, dass man Bücher studiert. Je nach Inhalt muss daher überlegt werden, welche Vermittlungsmethode jeweils die effektivste ist. Schon beim Vortrag im Seminarraum gibt es neben der klassischen PowerPoint-Präsentation noch vielfältige Möglichkeiten der Vermittlung: den Einsatz von Videos zur Analyse oder Veranschaulichung, die Integration von Gruppenarbeiten, die Erarbeitung über verschiedene Arbeitsaufträge, beispielsweise durch digitale Recherche, Bearbeitung eines Arbeitsblattes oder durch praktische Erprobung. Es gilt hier, die im Verhältnis des individuellen Lernergebnisses zum zeitlichen Budget besten Methoden zu identifizieren und umzusetzen. Unsere Teilnehmer bringen zudem seit jeher unterschiedliche individuelle Voraussetzungen und Kennt - nisse mit. Diese Heterogenität der Teilnehmervoraussetzungen wird durch die Möglichkeiten des freien Informationsangebots im Internet noch deutlich verstärkt. Sehr heterogene Gruppen erschweren beim gemeinsamen Unterricht einen individuell optimalen Lernerfolg. Durch verschiedene, auch digitale Vermittlungsmethoden können in manchen Bereichen die Wissensstände schon im Vorhinein angenä - hert werden. So könnten beispielsweise Lern- und Erklärvideos zur Vorbereitung auf spezielle Themen dienen, oder auch Arbeitsblätter zur Überprüfung des Gelernten im Nachhinein eingesetzt werden. Durch die orts- und zeitunabhängigen Möglichkeiten des online gestützten Lernens eröffnet sich hier eine Möglichkeit, die heterogenen Teilnehmervoraussetzungen zu verringern und dadurch in manchen Bereichen die Qualität der Lehre zu steigern.

Letzte Frage an Sie beide. Wo ist der beste (digitale) Ort, die o.g. Inhalte und Methoden zu vermitteln bzw. anzuwenden?
Wenn die Frage nach den zu lehrenden Inhalten und den möglichen Methoden zur optimalen Vermittlung geklärt sind, kann überlegt werden, welche der vorhandenen realen oder digitalen Räume hierfür am geeignetsten wären. Neben einem „interaktiven Klassenzimmer“ (wie Edubreak) stehen hier auch Online Bibliotheken (wie BSB VIBBS), Cloud-Lösungen oder soziale Medien für den Austausch zwischen den Teilnehmern als mögliche Optionen zur Verfügung.

Frau Eckert, Herr Schäfer, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Realisierung des Projekts.