"Den aktiven Sport im Präsidium vertreten"

Sabine Kusterer vom KSV Durlach wird beim außerordentlichen Sport - bundtag des Badischen Sportbundes Nord am 19. September 2018 in Heidelberg für das Amt der BSBVize präsidentin kandidieren, von dem Harald Denecken – wie vor dem letzten Sportbundtag angekündigt – nach der Hälfte der Wahlperiode zurücktreten wird. Die 28- jährige Gewichtheberin, Zehnte der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janei ro, wohnt in Leimen und ist Feldwebel der Feldjäger in der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Bruchsal. „Nebenher“ studiert sie Economics an der Universität Heidelberg. Mit Sabine Kusterer sprach Claus-Peter Bach:

Sabine Kusterer, wie kamen Sie auf die Idee, Vizepräsidentin des BSB zu werden?
Ehrlich: Auf diese Idee wäre ich nie gekommen. Im Februar war ich als Zuhörerin bei den „Sportgesprächen“ des Sportkreises Karlsruhe, als ich beim gemütlichen Beisammensein von Präsident Dr. Martin Lenz angesprochen und darauf hingewiesen wurde, dass das Amt frei werde und man eine jüngere Frau als Nachfolgerin für Harald Dene - cken suche.

Da haben Sie natürlich sofort zugesagt?

Ich habe mich überrumpelt gefühlt und gedacht, Herr Lenz mache einen Scherz. Er hat mir das aber in Ruhe erklärt, so dass ich mich nun geehrt fühle und bereit bin, die Aufgabe trotz meiner Jugend und Unerfahrenheit zu übernehmen.“

Worin sehen Sie Ihre künftige Aufgabe im BSB-Präsidium?
Da ich eine aktive Leistungssportlerin bin, möchte ich die Sichtweise einer aktiven Athletin in die Präsi - diumsarbeit einbringen. Ich könnte mir vorstellen, den Badischen Sportbund bei Sportveranstaltungen zu repräsentieren und dabei den Dialog mit den Sportlerinnen und Sportlern zu suchen, um deren Vorstellungen und Wünsche kennenzulernen. Ich würde zum Beispiel gerne bei einem Sportabzeichentag mitmachen und den BSB dabei vertreten.

Haben Sie schon Erfahrungen als Sportfunktionärin gemacht?

Als ehemalige Schülerin des Otto- Hahn-Gymnasiums Karlsruhe habe ich in der Organisation der Special Olympics der geistig behinderten Athletinnen und Athleten mitgeholfen, die zwei Mal in Karlsruhe stattgefunden haben. Dort habe ich beeindruckende Menschen und großartige Leistungen erlebt. Eine meiner Aufgaben wird hoffentlich sein, Menschen für den Sport zu begeistern, denn Sport hält jung – auch im Alter!

Wer ist für Sie alt?
Grob gesagt: Wenn man auf die Rente zugeht, so mit 60+, nähert man sich dem Alter und sollte verstärkt Sport treiben. Sport ist in jedem Alter wichtig. In der Jugend prägt er die Koordination und fördert die Intelligenz, im Berufsleben dient er dem Stressabbau, und im Alter fördert er die Mobilität.

Wie kamen Sie zum Sport?
Mit fünf Jahren kam ich mit meiner Mutter Marion zum Judo-Club Karlsruhe, wo ich bis zum 17. Lebensjahr wettkampfmäßig trainiert habe. Mit 15 Jahren habe ich parallel mit dem Gewichtheben begonnen. Als ich 2006 die Qualifikation zur Jugend-Europameisterschaft knapp verpasst hatte, habe ich mich – halb mit dem Kopf, halb mit dem Bauch – entschieden, auf das Gewichtheben zu setzen und das Training bedeutend zu verstärken.

Mit welchem Erfolg?
Ich bin im gleichen Jahr deutsche Jugendmeisterin geworden und habe 2007 bei der Jugend-EM die Bronzemedaille im Stoßen gewonnen, mit 90 kg in der 58-kg-Klasse. 2010 war in Antalya meine erste Frauen- Weltmeisterschaft, 2011 in Kasan meine erste Frauen-Europameisterschaft. 2014 in Tel Aviv war ich EMSechste im Zweikampf mit 205 kg in der 63-kg-Klasse. Der bisherige Höhepunkt meiner sportlichen Laufbahn waren die Olympischen Spiele 2016 in Rio mit Platz zehn und 200 kg im Zweikampf.

Was ist Ihre Bestleistung?

93 kg im Reißen und 113 kg im Stoßen, also 206 kg im Zweikampf. Was möchten Sie bei Olympia 2020 in Tokio erreichen? Beste deutsche Frau aller Zeiten werden, also Sechste, und meine Bestleistung steigern.