LSVBW Kanada – Stuttgart – Glasgow Olympiastützpunkt Stuttgart als Sprungbrett zu den Commonwe alth Games Die Verantwortlichen am OSP Stuttgart und im LSVBW haben in den zurückliegenden Monaten die internationalen Kontakte weiter ausgebaut: Die betreuten Athletinnen und Athleten sol- len von einem internationalen Netzwerk und Wissensaustausch profitieren. Ein Beispiel ge- lungener Zusammenarbeit war im Sommer ein Besuch des kanadischen Leichtathletik-Teams. Willkommensgruß für Team Kanada. Foto: LSVBW Glenroy Gilbert gehört zu den Ersten, die an die- sem Donnerstagmorgen in Stuttgarts Stadion Festwiese ihre Runden drehen. Der Cheftrainer der kanadischen Leichtathleten inspiziert die Bahn, rückt Hürden zurecht, stoppt kurz am Wassergraben, der gerade mit Wasser gefüllt wird, und schüttelt jede Menge Hände. Sein Team trifft nach und nach im Stadion ein. Um 9:00 Uhr ist Trainingsbeginn – vier Tage noch, dann fällt bei den Commonwealth Games in Glasgow der erste Startschuss und aus der ge- lösten Atmosphäre im Pre-Camp wird in der schottischen Metropole ernst. „Stuttgart erfüllt all unsere Bedürfnisse – Unter- kunft, Trainingsmöglichkeiten, gutes Essen, ver- lässliche Wetterbedingungen und gute Flug- verbindungen“, erläutert Glenroy Gilbert die Entscheidung, die Zelte für die unmittelbare Wettkampfvorbereitung am Neckar aufzu- schlagen. Mit fast 100 Personen, darunter mehr als 50 Athletinnen und Athleten, ist er Ende Juli in Stuttgart zu Gast, um sich optimal auf den Saison-Höhepunkt einzustimmen. Unter- gebracht in unmittelbarer Nähe zum OSP, profi- tieren die kanadischen Leichtathleten von kur- zen Wegen und den Trainingsstätten im Stadion Festwiese, in der Molly-Schauffele-Halle und im Kraft Kompetenz Center. Darüber hinaus kön- nen sie auch den Regenerationsbereich nutzen. Internationales Netzwerk macht’s möglich Die Grundlage für den Besuch hatten die Verantwortlichen des Olympiastützpunkts 4 Stuttgart sowie des Landessportverbandes Baden-Württemberg mit dem Ausbau der inter- nationalen Beziehungen zu Kanada gelegt: Kooperationsvereinbarungen mit den Stütz- punkten „Institut national du sport du Québec“ und „Canadian Sport Institute Pacific“ weckten beim kanadischen Leichtathletik-Verband Inte- resse am OSP Stuttgart. Bei einem Vor-Ort-Be- such im Herbst 2025 konnten sich Glenroy Gil- bert und Co. von der Infrastruktur überzeugen. Der 58-Jährige kennt Stuttgart bereits aus sei- ner Zeit als Athlet. Besondere Erinnerungen hat der ehemalige Sprinter an die WM 1993 im da- maligen Gottlieb-Daimler-Stadion, als er mit Ka- nadas Staffel Bronze gewann. „Internationale Kooperationen sind für uns be- sonders wertvoll, weil sie neue Perspektiven er- öffnen, den sportlichen Austausch fördern und unseren Athleten die Möglichkeit geben, Er- fahrungen über den eigenen Tellerrand hinaus zu sammeln“, erläutert Tim Lamsfuß, Leiter des OSP Stuttgart, die Beweggründe für den Aufbau des internationalen Netzwerks. „Fokussiert und konzentriert“ Das Stadion füllt sich, Physiotherapeuten bauen ihre Liegen auf, Athletinnen und Athleten ma- chen sich für das Training bereit. Die gute Stim- mung passt zum strahlend blauen Himmel. Seit der Ankunft der Kanadier dominieren die Farben Rot, Weiß und Schwarz am Olympiastützpunkt. Aushänge wie „Wir wünschen Team Kanada viel Erfolg bei den Commonwealth Games“ zieren die Trainingsstätten. Mit den Olympiasiegern Damian Warner (Zehnkampf) und Andre de Grasse (200 m) oder der zweimaligen Hallen- Weltmeisterin im Kugelstoßen Sarah Mitton sind echte Stars der Szene zu Gast. Einer der Athleten, die kurz vor der Abreise nach Glasgow ste- hen, ist 400-Meter-Sprinter Aus- tin Cole. Der 27-Jährige ist beein- druckt von den Anlagen am OSP: „Alles ist in sehr gutem Zustand, neu und sauber, alle Anlagen sind dicht beieinander“, stellt er fest. „Eine Trainingshalle wie hier habe ich noch nie gesehen. In Kanada trainiere ich in Edmonton, Alberta – dort schlägt unsere Bahn Bla- sen“, fügt er mit einem Schmun- zeln hinzu. „Wir arbeiten hier sehr fokussiert und konzentriert“, be- richtet Para Sprinterin Nathalie Thirsk und er- klärt, dass die Commonwealth Games einer der wenigen Anlässe sind, bei denen die Leicht- athleten und Para Leichtathleten Kanadas ge- meinsam unterwegs sind. Dauereinsatz für optimale Betreuung Dafür, dass die Gäste alles für die optimale Vorbereitung vorfinden, sorgt in diesen Tagen OSP-Mitarbeiterin Michelle Timm. Sie hat in den vorangegangenen acht Monaten den Besuch der Kanadier akribisch vorbereitet und ist wäh- rend ihres Aufenthalts erste Ansprechpartnerin. „Eine der größten Herausforderungen ist es, immer ausreichend Wasser und Eis zur Ver- fügung zu stellen“, berichtet sie. Für die Lauf- trainer hat sie Fahrräder organisiert, damit diese mit ihren Schützlingen mitfahren können. Und wenn es Bedarf an zusätzlichem Protein gibt, dann ordert sie im Sportrestaurant am Neckar- park, wo das Team verpflegt wird, auch mal 100 Hähnchenfilets extra. Das Lob, das die Teammitglieder für ihren Auf- enthalt in Stuttgart finden, kann Michelle Timm daher auch für sich verbuchen: „Gut organi- siert, effizient, praktisch, tolle Anlagen – sehr, sehr gut“, lautet das einhellige Fazit der Leicht- athleten, die sich insbesondere vom High-End- Kraftraum auf 1.200 Quadratmetern beeindruckt zeigten. Und auch der anschließende Erfolg von Team Kanada in Glasgow ist Lohn für die Mühen während des Pre-Camps: Mit 16 Medaillen, darunter vier in Gold, sieben in Silber und fünf in Bronze, belegten die kanadischen Leichtathleten und Para Leichtathleten Rang vier im Medaillen- spiegel der Commonwealth Games 2026. q Silke Bernhart Stuttgarts Sportbürgermeister Dr. Clemens Maier (2.v. r.), LSVBW- Hauptgeschäftsführer Ulrich Derad (2.v. l.) und WLV-Präsident Dieter Schneider (rechts) begrüßten Cheftrainer Glenroy Gilbert (links) und Para- Teamleiterin Carla Nicholls (3.v. l.) am OSP Stuttgart. Foto: OSP Stuttgart